Coronaviren und Fledermäuse

Wildtiere können Krankheiten auf den Menschen übertragen. Zu solchen Zoonosen gehören zum Beispiel Schweinegrippe, Vogelgrippe, MERS, SARS oder SARS-CoV2, welches die aktuelle Coronavirus-Pandemie verursacht. Bei einigen dieser Krankheiten spielen auch Fledermäuse eine Rolle, denn über Zwischenwirte, d.h. mindestens eine weitere Tierart, dürften diese auf den Menschen übertragen worden sein. So auch beim aktuellen SARS-Cov2, wobei dieser Zwischenwirt noch nicht abschliessend identifiziert ist.

Prof. Dr. Cornel Fraefel von der Vetsuisse Fakultät der Universität Zürich leitet seit 2019 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Fledermausschutz ein Projekt zur Untersuchung von Viren bei einheimischen Fledermausarten. Es sind noch keine abschliessenden Resultate vorhanden. Grundsätzlich sind Fledermäuse aber Träger vieler verschiedener Viren, einschliesslich spezifischer Fledermaus-Coronaviren. Gemäss Prof. Fraefel dürften deshalb auch bei unseren einheimischen Fledermausarten Coronaviren auftreten. SARS-Cov2 wurde bisher bei einheimischen Arten jedoch nicht nachgewiesen. Coronaviren kommen aber ebenso bei vielen anderen Arten vor, darunter Vögel, Hunde, Katzen und Nutztiere – nicht zuletzt auch bei uns Menschen. Bei Erkältungen spielen denn auch oft menschliche Coronaviren eine Rolle.


Muss ich Angst vor unseren Fledermäusen haben?

Die aktuelle Coronavirus-Pandemie hat nichts mit unseren einheimischen Fledermausarten zu tun. Sie stammt aus China. Auch wurden die bekannten Zoonosen, die nachweislich von Fledertieren stammen, bisher nie direkt von Fledertieren auf den Menschen übertragen, sondern immer über Zwischenwirte wie Nutztiere oder andere Wildtiere. Eine direkte Übertragung von Fledermaus auf Mensch ist deshalb gemäss Prof. Fraefel wohl unwahrscheinlich. In Europa ist sie zusätzlich äusserst gering, weil wir kaum jemals direkten Kontakt mit den Tieren haben. Im Unterschied zu China haben wir zum Beispiel keine Märkte, wo auf dichtestem Raum verschiedenste Wildtierarten teilweise lebend und unter heiklen hygienischen Bedingungen angeboten und gegessen werden. Solche Bedingungen begünstigen, dass Viren auf andere Tierarten übergehen können, die sich in der Natur nie getroffen hätten.

Wer Fledermäuse am Haus hat oder die kleinen Flatterer auf der Jagd nach Insekten beobachtet, muss sich also keine Sorgen machen. Hausbewohnerinnen und Hausbewohner können problemlos mit Fledermäusen unter einem Dach leben. Die Stiftung Fledermausschutz gibt Ihnen gerne Tipps, wie Sie diese kleinen Säugetiere beobachten und besser kennen lernen können. Gibt es trotzdem Bedenken, sich mit einer Krankheit angesteckt zu haben, soll wie bei jedem Krankheitsverdacht der Hausarzt kontaktiert werden.

Wer aber eine Fledermaus behändigt, z.B. wenn sie auf dem Boden liegend gefunden wird, soll unbedingt Handschuhe tragen oder ein gut schützendes Tuch verwenden, wie es auch die Stiftung Fledermausschutz seit jeher empfiehlt. Wenn die Tiere Angst haben und sich bedroht fühlen, können sie laut zetern oder auch zubeissen. Wie bei allen anderen Wildtieren auch können dabei Krankheitserreger übertragen werden.

Fledermäuse sind bedroht und deshalb bundesrechtlich und in ganz Europa geschützt. Sie begeistern uns nicht nur mit ihren akrobatischen Flugkünsten, sondern erfüllen durch den Verzehr riesiger Insektenmengen für unsere Land- und Forstwirtschaft wichtige Ökosystemdienstleistungen. Diese werden für die Schweiz auf mehrere 100 Millionen CHF pro Jahr geschätzt.

 

Kontaktieren Sie uns bei Fragen zu Fledermäusen und Fledermausschutz.

Fragen zum Projekt Viren bei einheimischen Fledermausarten:
Prof. Dr. Cornel Fraefel, Institute of Virology, Vetsuisse Fakultät, Universität Zürich,

Tel. 044 635 87 13, cornel.fraefel [at] uzh.ch ()