Monitoring Kleine Hufeisennase

Die zierliche Kleine Hufeisennase war früher in der Schweiz häufig und weit verbreitet. Ab Mitte des letzten Jahrhunderts nahmen die Bestände drastisch ab. Nur in einigen Alpentälern der Kantone Graubünden, Obwalden und im Berner Oberland konnten einige Bestände voneinander isoliert überleben. Ein ähnlich alarmierendes Bild zeigte sich für ganz Mittel- und Westeuropa: Eine riesige Verbreitungslücke erstreckt sich von den Niederlanden über Deutschland und Teile Frankreichs bis an den Alpenrand.

Rhippos – Forschen zur Rettung der Kleinen Hufeisennasen
Um die Ursachen für den Bestandesrückgang zu untersuchen wurden im Rahmen des Forschungsprojektes „Rhippos“ die Nahrungs- und Lebensraumansprüche der Kleinen Hufeisennase untersucht. War es der Mangel an Beuteinsekten und der Verlust von geeigneten Lebensräumen, der die Populationen so stark in Bedrängnis brachten? Weder noch. Zum Erstaunen der Fachleute stellte sich heraus, dass hauptsächlich der Einsatz des Pestizids DDT beinahe das Ende für die Kleine Hufeisennase bedeutet hätte.

DDT als Ursache für den Bestandesrückgang
Der grossflächige Einsatz des Pestizids DDT in der Landwirtschaft war bis zum Verbot in den frühen 1970er Jahren weit verbreitet. Für die Kleine Hufeisennase hatte die Aufnahme von verseuchten Beutetieren die Anreicherung des Giftes im Körper zur Folge. Doch auch in den Quartieren lauerte die Gefahr: Zum Schutz gegen Holzschädlinge wurden die Dachbalken mit DDT behandelt und die Fledermäuse kamen so über die Haut in direkten Kontakt mit dem Gift. Es konnte gezeigt werden, dass in den Quartieren ausgestorbener bzw. abnehmender Kolonien der Kleinen Hufeisennase die DDT-Konzentration heute noch massiv höher ist als in gesunden Kolonien. Untersuchte Beutetiere in der Umgebung verseuchter Quartiere hingegen sind heute kaum mehr mit DDT belastet.

Hoffnungsvoller Blick in die Zukunft?
Im Jahr 2001 wurde ein nationales Monitoringprogram zur Überwachung von 30 ausgewählten Wochenstubenkolonien gestartet. Die Anzahl erwachsener Kleiner Hufeisennasen in diesen Wochenstuben hat sich seit dem Beginn der Zählungen von knapp 1'900 Tieren auf rund 2'900 adulten Tiere erhöht, was einer erfreuliche Zunahme von über 50% entspricht. Die effektive Zunahme des Bestandes ist zudem noch grösser, da seit 2001 mehr als ein Dutzend neuer Kolonien entdeckt wurde. Der Gesamtbestand adulter Tiere dürfte heute somit über 4'000 Tiere betragen und hat sich somit in den letzten 12 Jahren um rund 75% vergrössert, was eine höchst erfreuliche Entwicklung darstellt..

Ein Blick auf die Verbreitungskarte der insgesamt rund 50 bekannten Wochenstubenkolonien lässt nach wie vor drei isolierte Schwerpunktgebiete erkennen: Die Kantone Graubünden, Obwalden und Bern beherbergen 97% des Schweizer Gesamtbestandes und tragen deshalb eine grosse Verantwortung für diese Fledermausart.

Ein Drittel der überwachten Kolonien weist einen Bestand von mehr als 100 adulten Individuen auf. Ähnlich wie bei den Mausohren scheinen diese grossen Kolonien zuzulegen, währenddem die 14 Kolonien mit weniger als 20 Tieren mehrheitlich stagnieren oder abnehmen. Wegen der Isoliertheit der Bestände und der hohen Ansprüche an die Quartierlebensräume und Flugkorridore vom Quartier- in den Jagdlebensraum sind die Bestände der Kleinen Hufeisennase nach wie vor sehr verletzlich und die ergriffenen Schutz- und Fördermassnahmen müssen dringend fortgesetzt werden.