Wahrnehmung der Biodiversitätskrise in der Schweiz

2023 wurde in einer gross angelegten Umfrage der Verlust der Biodiversität noch knapp vor Klimawandel und Wasserknappheit als grösste Gefahr für Mensch und Umwelt wahrgenommen – und dies obwohl die Biodiversitätskrise im Vergleich zum Klimawandel deutlich weniger Schlagzeilen macht. Schweizerinnen und Schweizer nehmen also das Aussterben von Arten stark wahr.

Für Artenschützerinnen und Artenschützer ist dies eine erfreuliche Botschaft. Die Umsetzung von Massnahmen zum Stopp des heimischen Artensterbens müsste entsprechend eigentlich nur eine Formsache sein. Doch dem ist nicht so: 89% bzw. 86% der Befragten beurteilen nämlich die Qualität der Umwelt in ihrer Wohnumgebung bzw. in der Schweiz als «sehr» gut bis «eher gut». Nach ihrer Auffassung besteht demnach kaum Handlungsbedarf. Bei der Qualität der Umwelt weltweit hingegen sind dies lediglich 18%. Daraus erschliesst sich, dass das Artensterben vor allem im Ausland wahrgenommen wird, jedoch kaum in der Schweiz. 

Dies steht in grossem Gegensatz zur Realität: Kein anderes europäisches Land hat so lange Rote Listen wie die Schweiz – nirgends in Europa sind so viele Tier- und Pflanzenarten und damit ganze Ökosysteme bedroht wie hierzulande. Zu den gefährdetsten Artengruppen zählen nebst Krebsen, Amphibien, Reptilien und Fischen auch unsere Fledermäuse: 58% der eingestuften Arten gelten als bedroht. Rote Listen anderer Artgruppen zeigen ein ähnlich bedrohliches Bild. Der Verlust der Artenvielfalt ist somit nicht nur ein Problem ferner Länder, sondern in ganz besonderem Masse auch eines der Schweiz.

Die Stiftung Fledermausschutz setzt sich deshalb seit über 35 Jahren dafür ein, unseren Fledermäusen – und damit auch zahlreichen anderen Arten – das Überleben zu sichern. So kann zum Beispiel mittels Exkursionen, Vorträgen oder Kursen die Bevölkerung für die Anliegen des Fledermaus- und Artenschutzes sensibilisiert werden. Oder konkrete Schutz- und Monitoringprogramme gewährleisten, dass keine bedeutenden Fledermauskolonien verschwinden.

All diese Bemühungen haben bisher Schlimmeres verhindert. Damit jedoch die Gefährdung der Fledermäuse und unzähliger weiterer Arten nicht noch mehr zunimmt, sind weitaus grössere Anstrengungen notwendig als die bisher unternommenen. Die Biodiversität steht gerade in der Schweiz infolge Bevölkerungswachstum, Ausräumung der Landschaft und nicht standortangepasster Landwirtschaft, Lichtverschmutzung oder Pestiziden so stark unter Druck wie nie zuvor.

Link zur Medienmitteilung: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/aktuell/neue-veroeffentlichungen.assetdetail.30167415.html