Anfang September erhielten wir auf unserem Fledermausschutz-Nottelefon 079 330 60 60 einen äusserst Besorgnis erregenden Hilferuf: Bei einer regulären Reinigung eines Lüftungsschachtes wurden mehrere hundert bereits tote oder massiv geschwächte Fledermäuse gefunden. Die Tiere waren dort irrtümlich hineingeflogen, konnten jedoch nicht mehr nach draussen gelangen. Durch ihre Rufe lockten sie vermutlich viele weitere Tiere an, welche ebenso in der Falle landeten. Die Regionale Koordinationsstelle für Fledermausschutz rückte sofort aus und fand zwischen massenhaft toten Fledermäusen auch viele geschwächte, abgemagerte und dehydrierte Tiere. Es bot sich ein Herz zerreissender Anblick. Die Regionale Koordinationsstelle für Fledermausschutz (RKF) zögerte nicht und sammelte zusammen mit lokalen Fledermausschützenden sowie den Verantwortlichen der Lüftungsanlage rund 700 tote und etwa 100 lebende Fledermäuse ein. Die überlebenden Tiere wurden in die Fledermaus-Notpflegestation der Stiftung Fledermausschutz am Zoo Zürich, sowie in umliegende externe Fledermaus-Notpflegestationen gebracht. Bis spät in die Nacht leisteten wir Erste-Hilfe und versuchten jedes Leben zu retten. Leider waren viele bereits so schwach, dass sie noch während des Transportes verstarben. Den Überlebenden leisteten wir medizinische Nothilfe durch Wärme und Infusionen. Tiere, die stabilisiert werden konnten, wurden mit einer «Minimalmenge» an Mehlkäferlarven gefüttert. «Minimalmenge», weil der Stoffwechsel bei einer normalen Portion kollabiert wäre und zu Herzversagen geführt hätte. Abgemagerte Tiere müssen langsam angefüttert werden. Der Fachbegriff dazu nennt sich «Refeeding-Syndrom». In grossen Gruppen und mit Wärmeangebot durften alle Patientinnen die Nacht in Sicherheit verbringen.
Parallel dazu kümmerte sich die Regionale Koordinationsstelle zusammen mit der kantonalen Fachstelle Naturschutz um Sofortmassnahmen am Unglücksort, damit nicht noch weitere Tiere in diese Todesfalle geraten. Dieser Lüftungsschacht besteht seit über 10 Jahren und wird alle 6 Monate gereinigt, bisher verirrte sich keine einzige Fledermaus in den Schacht.
Wir möchten an dieser Stelle die Bevölkerung bitten, regelmässig solche möglichen Fallen zu überprüfen und bei einem Fledermausfund Kontakt mit der zuständigen Regionalen Koordinationsstelle Fledermausschutz RKF, sowie mit dem Fledermausschutz-Nottelefon 079 330 60 60 aufzunehmen. Bis auf zwei Patientinnen haben sich alle erholt und fliegen bereits wieder auf freiem «Flügel». Der Verlust von über 700 Tieren ist unvorstellbar von nationaler Bedeutung. Was uns bleibt und dennoch positiv stimmt, sind all jene Tiere, die es geschafft haben und die ausgezeichnete Zusammenarbeit aus Findern, RKF, Kanton und den vielen ehrenamtlich Mitarbeitenden, die kantonsübergreifend Grosses geleistet haben. Herzlichen Dank!