Von 2010 bis 2023 hat sich die Anzahl Mobilfunkantennen in der Schweiz fast verdoppelt. Während die Antennen früher vor allem an exponierten Standorten installiert wurden, stehen sie heute mitten im Siedlungsraum und somit auch oft in der Nähe von Fledermausquartieren. Die Auswirkungen der sogenannten nichtionisierende Strahlung (NIS), die von Mobilfunkantennen ausgeht auf Fledermäuse und andere Arten sind bis heute kaum untersucht.
Eine umfassende Zusammenstellung des aktuellen Wissensstands zu Vögeln erschien vor Kurzem in Ornithologischen Beobachter. Dieser Artikel ist insofern auch für den Fledermausschutz interessant, weil es zwischen Fledermäusen und Vögeln gewisse Parallelen gibt. So bewohnen beide häufig Gebäude und können von nichtionisierender Strahlung der Mobilfunkantennen betroffen sein. Und von beiden ist bekannt, dass sie sich unter Anderem mittels Magnetsinn orientieren, welcher durch elektromagnetische Strahlung gestört werden kann.
Nichtsdestotrotz gibt es jedoch auch beträchtliche Unterschiede. NIS ist dafür bekannt, dass sie Körper erwärmen kann, wie beispielsweise auch unser Ohr warm wird während eines Telefongesprächs. Die Körpertemperatur einer Fledermaus kann im Verlauf eines Tages um mehr als 20 Grad Celsius variieren, weshalb sie relativ wenig anfällig für Schwankungen der Umgebungstemperatur ist. Bei Vogeleiern hingegen kann bereits eine Erhöhung der Temperatur um 0.5 Grad zum Absterben der Embryonen führen.
Trotz fehlendem Wissen zu den Auswirkungen sollten nach dem Vorsorgeprinzip auch Fledermäuse und andere Wildtiere im Sinne der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung bestmöglich vor negativen Einflüssen von NIS geschützt werden.
So setzt sich die Stiftung Fledermausschutz dafür ein, dass für Menschen geltende Grenzwerte auch bei Fledermausquartieren eingehalten, dass Quartiere in unmittelbarer Nähe gegen die Strahlung abgeschirmt werden und nach der Installation neuer Antennen der Bestand gut überwacht wird, um bei allfälligen negativen Auswirkungen einschreiten zu können.
Mittelfristig ist es jedoch unerlässlich, zu diesem Thema mehr zu forschen und die vorhandenen Wissenslücken zu schliessen, wenn wir Fledermäuse und andere Wildtiere nachhaltig schützen wollen.