Rückblick & Motivation
Wie viele Jahre warst du als Regionale Koordinationsstelle Fledermausschutz (kurz RKF) tätig? Was hat dich damals zum Fledermausschutz gebracht und erinnerst du dich noch an deinen ersten „Fledermaus-Moment“?
Am 1. Februar 2000 startete ich als RKF und per Ende 2025 legte ich mein Amt nieder. Im Januar arbeitete ich noch ehrenamtlich, um alles sauber abschliessen und meine Nachfolgerin Manuela Manni einarbeiten zu können. Somit war ich auf den Tag genau 26 Jahre als RKF tätig.
Während meines Biologiestudiums an der Uni Irchel suchte ich einen Nebenjob und sah den Aushang der Stiftung Fledermausschutz, die auf der Suche nach Sekretariatsmitarbeitenden war. Damals hatte sie ihren Sitz an der Uni Irchel und ich arbeitete ab 1997 einen halben Tag pro Woche im Sekretariat, wo ich mit den Fledermäusen Bekanntschaft machte. Ich kann mich zwar nicht mehr genau an DEN «Fledermaus-Moment» erinnern, aber als ich damals den ersten Pflegling sah war es um mich geschehen. Und als ich selbst Fledermäuse pflegte und verwaiste Jungtiere aufzog gab es kein Zurück mehr und ich blieb in der Folge dem Fledermausschutz fast drei Jahrzehnte treu.
Gab es ein Erlebnis, das dich in deiner Arbeit besonders geprägt hat?
Geprägt und bewegt haben mich v.a. die direkten Kontakte mit den Fledermäusen. Zu Beginn meiner Arbeit im Fledermausschutz als Pflegerin und später auf den Touren als RKF, wo wir bei den jährlichen Besuchen der Zürcher Mausohrwochenstuben bis zu mehreren Hundert Weibchen mit ihren Jungtieren in den Dachstöcken aus nächster Nähe beobachten und bestaunen konnten.
Sehr einprägsam war in meinen Anfangsjahren auch eine Begegnung mit einem Riesenabendsegler, welcher beinahe verhungert in einem Gebäude gefunden und dann gesund gepflegt wurde.
Was hat dich all die Jahre motiviert, dranzubleiben?
Ich kann mich an einen Schlüsselmoment meiner Kindheit erinnern, wo es für mich völlig klar wurde, dass ich mein Leben den Tieren widmen werde. Das war auch der Grund weshalb ich Biologie mit Schwerpunkt Verhaltensbiologie und Ökologie studierte. Die Arbeit im Sekretariat der SSF und später die Forschung an Bechsteinfledermäusen während meiner Masterarbeit erweckten die Faszination für Fledermäuse, welche nie nachgelassen hat. Mein Kindheitstraum, mit Tieren und für ihren Schutz zu arbeiten war erfüllt und die Arbeit als RKF war sehr spannend, abwechslungsreich und sinnvoll. Besonders wichtig für die jahrelange Motivation und Freude war die Zusammenarbeit mit Karin Safi-Widmer. Karin habe ich im Sekretariat der Stiftung Fledermausschutz kennengelernt und wir wurden sofort Freundinnen. Als ich im Jahr 2000 mit der Arbeit als RKF begann wussten wir, dass wir diesen Job gemeinsam machen werden, sobald Karin ihr Biologiestudium zwei Jahre später auch beendete. Somit gingen wir während 24 Jahre gemeinsam durch die Höhen und Tiefen dieser Arbeit.
Engagement & Wirkung
Worauf bist du in deiner Arbeit besonders stolz?
Für mich ist es etwas vom wichtigsten, dass ich meine beruflichen Ressourcen für etwas Sinnstiftendes einsetze und das habe ich im Fledermausschutz mit sehr viel Herzblut und Engagement tun dürfen. Besonders stolz bin ich, dass ich unzähligen Fledermäusen ihre Unterschlüpfe erhalten konnte, dies dank der Begleitung von rund 1000 Sanierungen und rund 900 Beratungen von Menschen mit Konflikten wegen Fledermäusen an ihren Häusern. Diese Zahlen sind bemerkenswert und sie zeigen auf, dass wir im Fledermausschutz viel bewegen.
Welche Entwicklungen im Fledermausschutz hast du miterlebt – und welche waren besonders bedeutend?
Wenn ich die Arbeit vor 26 Jahren mit heute vergleiche, hat sich der Job sehr verändert. Früher lag der Fokus ausschliesslich auf dem Schutz der Fledermausunterschlüpfe, heute sind wir auch in der Landschaft tätig, was für die Erhaltung und Förderung der Fledermäuse unabdingbar ist. Themen wie Lichtverschmutzung, Pestizide, Lebensraumzerschneidung, Ausräumung der Landschaft etc. sind heute Bestandteil der RKF-Arbeit.
Ein Meilenstein war auch die Artbestimmung durch genetische Analysen von Fledermaushaaren im Kot. Dank dieser Methode wurden neue Arten entdeckt. Diese Methode hat auch weitgehend die morphologische Artbestimmung von mit Netzen gefangenen Tieren ersetzt. Dies war sehr aufwändig und für die Tiere belastend – aber zugegebenermassen auch sehr spannend.
Was war die größte Herausforderung in deiner Laufbahn?
Das waren während all den Jahren der Umgang mit Menschen, die sich z.B. wegen ein paar «Chegelis» (Fledermauskot) auf dem Autodach aufregten und mit denen ich eine biologisch und juristisch korrekte Lösung finden musste. Das erforderte sehr viel Fingerspitzengefühl und unendliche Geduld. Wenn es zu einer guten Lösung kam, war es erfüllend, aber in manchen Fällen war die Lösung unbefriedigend, was für mich all die Jahre eine grosse Herausforderung blieb.
Persönliche Ebene
Was bedeutet Fledermausschutz für dich persönlich?
Der Fledermausschutz ist ein immens wichtiger Pfeiler im Naturschutz. Fledermäuse stehen stark unter Druck und ich war immer sehr erfüllt davon, mich für diese spannenden, ökologisch wichtigen und für meinen Geschmack wunderschönen Tiere (v.a. die Langohren) einzusetzen.
Welche Eigenschaften braucht es, um langfristig in diesem Bereich zu arbeiten?
Es braucht ein grosses Interesse an den Fledermäusen an sich, am Naturschutz und an ökologischen Zusammenhängen. Die Arbeit erfordert viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit Fledermausquartierbesitzenden und Behörden. Ausserdem braucht es Freude an der Leitung und Motivierung von einem sehr grossen Netz an ehrenamtlichen Mitarbeitenden, welche für die Aufrechterhaltung des Fledermausschutzes unabdingbar sind. Da sehr viele Mails, Aktennotizen, Briefe und Berichte geschrieben werden müssen, braucht es für diese Arbeit auch Freude am Schreiben.
Blick nach vorne
Du schlägst nun neue Wege ein – was hat dich zu diesem Schritt bewegt?
Nach 26 Jahren habe ich die Hälfte meines Lebens dem Fledermausschutz gewidmet und wie bei vielen Menschen um die 50 drängte sich auch bei mir die Frage auf, ob ich einen neuen beruflichen Weg einschlagen soll. Und ich kam nach einem langen Prozess des Abwägens der Pro und Kontras zum Schluss, dass ich eine Neuorientierung wage.
Worauf freust du dich in deinem neuen Lebensabschnitt am meisten?
Ich werde mir eine 1-jährige Auszeit gönnen und freue mich sehr auf das Entdecken neuer Hobbys, aufs Reisen, auf das Kennenlernen neuer Arbeitsbereiche und auf das Leben nach meinem eigenen Rhythmus. Für diese Möglichkeit bin ich sehr dankbar.
Was wünschst du dir für den Fledermausschutz?
Dass weiterhin finanzielle Ressourcen vorhanden sind, um den Fledermausschutz zu gewährleisten und auszubauen. Es gibt noch so viel zu tun. Zudem wünsche ich mir, dass sich in Zukunft viele junge motivierte Menschen für die nächtlichen Flattertiere einsetzen werden.
Abschließende Gedanken
Gibt es etwas, das du zum Abschied sagen möchtest?
Ich bedanke mich ganz herzlich beim tollen Fledermausschutz-Team, allen voran bei Karin Safi-Widmer, mit der ich während 24 Jahren den Fledermausschutz Zürich und Umgebung managte, vorwärtsbrachte und tief freundschaftlich verbunden war und bleibe. Danken möchte ich auch meiner Nachfolgerin Manuela Manni Joss, die mit sehr viel Interesse und Engagement meine Arbeit weiterführen wird. Ich danke auch herzlich dem Team der Stiftung Fledermausschutz und allen RKF’s. Besonders danken möchte ich auch dem wundervollen Team der Lokalen Fledermausschützenden und Quartierbetreuenden des Kantons Zürich, die sich ehrenamtlich für die Fledermäuse mit sehr viel Herzblut einsetzen.
Ich wünsche dem Fledermausschutz-Team und den Fledermäusen das Beste für die Zukunft!