Kinder an die Macht!

Naturpädagoge und Fledermausdetektiv Rob van der Es leitete anlässlich Julies Geburtstag kürzlich eine Fledermausexkursion. Das Geburtstagskind Julie hat sich nicht nur sehr gefreut sondern auch ein Gesuch an den Gemeindepräsidenten von Wohlen geschrieben. Ihren Brief zum Wohle der Fledermäuse dürfen wir hier veröffentlichen und drücken die Daumen, dass das Anliegen berücksichtigt wird.

 

«Wohlen, Mai/Juni 2022

 

Fledermäuse schützen

Guten Tag, ich bin Julie Zulliger, 10 Jahre alt und wohne in Wohlen. Ich gehe in die Primarschule in die Klasse 4b und mache ein Projekt in der Begabtenförderung Bern zum Thema „Fledermäuse und Lichtverschmutzung.“

Fledermäuse sind geschützte Tiere!

Da das Licht schädlich sein kann für Fledermäuse bin ich an verschiedenen Orten in der Gemeinde Wohlen, Lux-Werte messen gegangen. Lux ist eigentlich ein anderes Wort für Lichtstärke. Ich habe herausgefunden, dass der Kreisel in Hinterkappelen zu hell ist. Wenn man ein bis zwei Meter vor den Lampen im Kreisel Hinterkappelen steht, ist der Lux-Wert 700 bis 730 Lux. Ich habe auch an der Uettligenstr. 12 gemessen und beim Gemeindehaus. Bei der Uettligenstr. 12 hatte ich (auf der Karte 2 im Anhang Nr. 1) 27 Lux unter der Lampe gemessen, in der Mitte der Strasse 20 Lux und am anderen Strassenrand 8 Lux. An einem nächsten Standort hatte ich unter der Lampe 25 Lux, in der Mitte 10 Lux und auf der anderen Seite 4 Lux. Bei dem dritten Punkt (auf der gleichen Karte) hatte ich am wenigsten Lux gemessen. Direkt unter der Lampe 12 Lux, in der Mitte 10 Lux und auf der anderen Strassenseite 5 Lux. Bei Punkt 4 der gleichen Karte hatte ich unter der Lampe 30 Lux, in der Mitte 17 Lux und auf der anderen Seite 3 Lux gemessen. Bei der Nr. 5 hatte ich unter der Lampe 39 Lux in der Mitte 26 Lux und auf der anderen Seite 12 Lux. Dieser Punkt war der hellste.

 

Gespräch mit Elias Bader, Stiftung Fledermausschutz in Zürich

Ich habe mit dem Fledermaus-Forscher Elias Bader von der Stiftung Fledermausschutz gesprochen.

«Es trifft besonders die Kleine Hufeisennase (Fledermausart), die bei uns in der Schweiz aber eigentlich fast nur noch im Gantrischpark, in Obwalden und in Graubünden vorkommt. Sie reagiert sehr stark auf Lichtverschmutzung.», sagt Elias Bader. «Sie verändern schon bei 0,5 Lux Grundbeleuchtung ihr Verhalten.» Bader sagt, auch betroffen, aber weniger stark, sei das Braune Langohr. Das Braune Langohr gibt es derzeit noch in der ganzen Schweiz.

Ich habe ihn auch gefragt, was das Problem ist: «Das Problem mit der zunehmenden Lichtverschmutzung ist, dass Fledermäuse immer weniger Lebensraum zur Verfügung haben, weil sie beleuchtete Gebiete meiden.» Ein weiteres Problem ist die Nahrungssuche, erklärt Bader: «Wenn es zu viel Licht vor ihrem Quartier gibt, fliegen sie abends später aus (Anm. der Redaktion: und erbeuten deshalb weniger Insekten). Besonders bei Weibchen mit Jungen ist das Problem gross, da sie ein Drittel ihres Körpergewichtes fressen müssen, um genug Milch zu produzieren, damit die Jungen genug zu fressen haben. Wenn sie zu wenig Futter finden, können die Jungen nur langsam heranwachsen oder im schlimmsten Fall sterben.

 

Meine Vorschläge

  • Unnötiges Licht vermeiden
  • Lampen dimmen oder, wenn sie noch nicht dimmbar sind, sie in dimmbare eintauschen (Zum Beispiel Kreisel Hinterkappelen, Uettligenstrasse, Gemeindeparkplatz)
  • Orangefarbene Lampen verwenden, da Fledermäuse weniger stark darauf reagieren (Zum Beispiel an der Uettligenstrasse oder am Birkenweg, Kreisel Hinterkappelen)
  • Damit Fledermäuse genug Futter finden, müssen besonders viele einheimische Pflanzen gepflanzt und wild wuchernde Wiesen behalten und geschützt werden.

In der Gemeinde Wohlen lebte eine grosse Kolonie Grosser Mausohren, die nun verschwunden ist. Wenn Wohlen weniger Licht in der Nacht hätte, würde die Kolonie vielleicht wieder zurückkommen.

 

Freundliche Grüße

Julie Zulliger»