Hungersnot im Mausohrwald?

Der Vergangene Februar war schweizweit 3.5 Grad wärmer als im langjährigen Mittel von 1991-2020. Solche Schlagzeilen sind längst zur Normalität geworden, der menschgemachte Klimawandel ist mittlerweile überall spürbar. Was die Klimaerwärmung aber mit unseren einheimischen Fledermäusen macht, verstehen wir erst ansatzweise. Kälteliebende Arten wie die Nordfledermaus werden wahrscheinlich an Verbreitungsgebiet einbüssen. Bei ursprünglich mediterranen Arten wie der Alpenfledermaus kann man bereits jetzt eine starke Ausbreitung Richtung Norden beobachten. Die Klimaerwärmung wirkt sich aber nicht nur direkt über Temperaturerhöhungen auf Fledermäuse aus, sondern auch indirekt. So können höhere Temperaturen auch das Nahrungsangebot der Fledermäuse beeinflussen, wie kürzlich eine Studie aus Brandenburg aufzeigte. Forschende von der Uni Eberswalde untersuchten die Auswirkungen von Dürreperioden auf waldbewohnende Laufkäfer, der Hauptbeute unserer Grossen Mausohren. Sie verglichen die Artenvielfalt und das Gewicht von mit den gleichen Methoden gefangenen Käfern zwischen den Jahren 1999-2001 und 2020-2022. Es stellte sich heraus, dass die Anzahl Käfer in dieser Zeitperiode um durchschnittlich 51% abgenommen hatte, mit einer Spanne zwischen den Standorten von 17 bis 74%. Das Gesamtgewicht der Käfer nahm sogar um 65% ab, grössere Arten waren also stärker vom Rückgang betroffen als kleinere. Welchen Einfluss die Studie selber auf die Käferpopulation hatte – insgesamt wurden fast 11'000 Käfer gefangen – wird in der Publikation nicht weiter erörtert. Auch zeigte sich, dass der Effekt in kleineren Waldgebieten stärker war als in grösseren. Zusammen mit den immer dichteren Wäldern dürfte das immer kleinere Nahrungsangebot in diesem Lebensraum unseren Mausohren das Leben zunehmend schwer machen. Deshalb setzt sich die Stiftung Fledermausschutz dafür ein, dass mausohrfreundliche Wälder geschützt, gefördert und, wo möglich, wiederhergestellt werden. Dafür sucht sie den Kontakt zu fledermausaffinen Waldbesitzer*innen und Forstpersonal und unterstützt bei der Planung von Schutzkonzepten und forstlichen Eingriffen.