Um ihren eigenen Energiebedarf und über die Muttermilch denjenigen ihres Babys zu decken, müssen Fledermausmütter auf die Jagd fliegen. Die Jungtiere werden derweil in «Kindergärten» im Fledermausquartier zurückgelassen. Einzelne erwachsene Tieren bleiben ebenfalls zurück und verrichten "Hütedienst".
Nur bei Gefahr z.B. durch Marder oder Bauarbeiten am Gebäude, sowie bei einem Quartierwechsel oder Hangplatzwechsel innerhalb des Tagesschlafverstecks fliegen die Mütter mit ihrem Baby, das sich festkrallt. Dabei handelt es sich in aller Regel um kurze Flugstrecken.
Grössere Jungtiere werden kaum je auf dem Flug mitgenommen. Eine Ausnahme bilden jedoch Hufeisennasen, welche insbesondere Hangplatzwechsel mit dem Jungtier auch dann noch machen, wenn schon recht gross ist. Vermutlich helfen beim Tragen grösseren Tieren die sogenannten Haftzitzen in der Leistengegend eine Rolle, an welchen sich Jungen festbeissen können. Haftzitzen findet man hierzulande ausschliesslich bei Hufeisennasen. Kann das Junge aber schon selbst fliegen, versucht die Mutter es vor dem Hangplatzwechsel abzuschütteln, indem sie rhythmisch ruckelt.
Jungtiere sind sehr aktiv und können bei ihren Übungen zur Flugvorbereitung auch einmal hinunterfalls bzw. bei Verstecken in Fassadenspalten ganz aus ihrem Quartier fallen. Solche Jungtiere in Not können in Absprache mit dem Fledermausschutz-Nottelefon 079 330 60 60 entweder direkt zurück ins Quartier gesetzt oder in der Dämmerung auf einen Kuschelturm gesetzt werden, damit es die Mutter wieder abholt.
Nach vier bis acht Wochen können die Jungen selbst fliegen. Bei den ersten Ausflügen kann man sie anhand ihr noch etwas unbeholfenen, schmetterlingshaften Fluges noch gut von den Müttern unterscheiden. War der Start in die Selbständigkeit verfrüht oder erwischte eine Katze die ungeübte Fliegerin ist Erste-Hilfe notwendig.
Grundsätzlich wählen Fledermäuse warme Verstecke für ihre Wochenstuben aus. Im Sommer kann es in diesen Quartieren tagsüber über 30° C warm werden. Dadurch sind die Jungen weitgehend vor Unterkühlung geschützt. Nachts können die Verstecke aber auskühlen. Die noch nicht flugfähigen Jungen bilden dann meist dichte Gruppen und geben dadurch einander warm (soziale Thermoregulation).
Sollten die Temperatur weiter fallen, haben bereits Jungtiere die Fähigkeit der Tagesschlaflethargie (Torpor). Dabei senken sie ihre Körpertemperatur auf 5 – 10° C über Umgebungstemperatur ab. Dank der Tagesschlaflethargie kann zwar effizient Energie gespart werden, jedoch entwickeln sich die Jungtiere auch entsprechend langsam weiter. Durch die Wahl warmer Wochenstubenquartiere kann Tagesschlaflethargie möglichst vermieden werden, damit sich die Jungen zügig entwickeln.