Der Schutz der Natur bringt mehr wirtschaftlichen Nutzen als ihre Ausbeutung

Viele Lebensräume in der Schweiz sind bereits verschwunden oder stehen kurz davor. Auch wenn sich zahlreiche Gesetzesartikel und sogar die Bundesverfassung dem Artenschutz verschrieben haben, werden Naturschutzanliegen nach wie vor oft kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Weit verbreitet ist immer noch die Meinung, Naturschutz stehe im Widerspruch zu Wirtschaftswachstum und gefährde Arbeitsplätze. Dabei übernehmen naturnahe Lebensräume eine Vielzahl an Aufgaben mit direktem Nutzen für uns Menschen, wie Wasser- und Luftreinigung, CO2-Speicherung etc., deren Ausführung – müssten wir sie selbst übernehmen – uns jährlich Milliarden von Franken kosten würde. Dabei sind nicht nur die Lebensräume selber von Bedeutung, sondern auch ihre Bewohner. So dürften sich in der Schweiz allein die durch Fledermäuse erbrachten Ökosystemleistungen auf mehrere 100 Millionen Franken Gegenwert pro Jahr belaufen.

Ein Forscherteam um die RSPB und der Universität Cambridge untersuchte Lebensräume an dutzenden Standorten rund um den Globus, viele davon sogenannte Key Biodiversity Areas. Das Team ermittelte den Wert der Ökosystemleistungen, welche jeder Standort vollbringt, wie Speicherung von Kohlendioxid, Schutz vor Überschwemmungen etc., unter der Annahme eines intakten Lebensraumes. Diesen verglichen sie mit dem erwarteten Ertrag, würde der Standort in die wahrscheinlichste Form menschlicher Nutzung überführt (z.B. Land- oder Forstwirtschaft). In den meisten Fällen ergaben Schutz und Wiederherstellung einen grösseren ökonomischen Nutzen als die Ausbeutung. Der Löwenanteil dieser Ökosystemleistungen machte jeweils die Speicherung von Treibhausgasen aus. Aber auch wenn diese Leistung ignoriert wurde, hatte fast die Hälfte der Standorte in ihrer natürlichen Form einen höheren ökonomischen Wert.

«Den Biodiversitätsverlust zu meistern, ist ein höhres Ziel für sich selber, aber auch die Natur als Ganzes unterstützt das Wohlergehen der Menschheit», sagt Erstautor Dr. Richard Bradbury. «Auch wenn man sich nur für Geld interessiert, muss man sehen, dass Schutz und Wiederherstellung von Naturräumen oft der beste Wetteinsatz für menschlichen Wohlstand ist.» 

Weil zahlreiche Fledermausarten auf naturnahe Lebensräume angewiesen sind und Artenschutz somit  immer auch Lebensraumschutz ist, setzt sich auch die Stiftung Fledermausschutz für den Schutz und die Förderung naturnaher Lebensräume in der Schweiz ein und leistet damit einen von der Öffentlichkeit zwar kaum beachteten, aber dennoch direkten substanziellen Beitrag zum Schweizer Wohlstand.

Jetzt, da wir der Natur einen Preisstempel aufdrücken können, gibt es keine Entschuldigung mehr, ihren Wert bei wirtschaftlichen und politischen Prozessen zu ignorieren – weder im Kanton, der Schweiz oder international.

Zugang zur Originalpublikation: https://www.nature.com/articles/s41893-021-00692-9