Mausohrmonitoring

Ein Vorzeigeprojekt der Stiftung Fledermausschutz

Mausohren sind typische Dachstockfledermäuse: Im April treffen die Weibchen zu Dutzenden oder gar zu Hunderten in ihren Wochenstubenquartieren (Geburts- und Aufzuchtsstätten ihrer Jungtiere) ein. Sie hängen im Dachstock in Gruppen kopfüber an den Dachbalken und Dachlatten. Die Ansammlung so vieler Individuen auf kleinstem Raum macht sie sehr empfindlich gegenüber Veränderungen: Eine Umnutzung oder eine unsachgemässe Sanierung können den Verlust einer kopfstarken Kolonie verursachen. Unter Umständen reicht das simple Öffnen eines Fensters oder eine Fassadenbeleuchtung, um die Tiere nachhaltig zu vertreiben. Solche Veränderungen - meist aus Unwissen - führten in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu einem Mangel an geeigneten Wochenstubenquartieren und somit zu einem massiven Bestandeseinbruch bei den Mausohren.

Erfolgskonzept Quartierbetreuende
Mit Hilfe eines Monitoringprogramms wird seit 1995 die Bestandesentwicklung der heute noch vorkommenden Mausohr-Wochenstubenkolonien in der östlichen Landeshälfte dokumentiert und überwacht. Ehrenamtlich mitarbeitende Quartierbetreuende sind dabei die Hauptakteure. Sie sind die kompetenten Ansprechpartner vor Ort für Bevölkerung und Behörden und kennen die Bedürfnisse und Verhaltensweisen „ihrer“ Mausohren. Bei geplanten Renovationen oder Nutzungsänderungen bilden ihre minutiösen Aufzeichnungen die Basis für den fledermausfreundlichen Ablauf der Bauarbeiten. So wurden z. B. in den letzten 30 Jahren drei Viertel aller Gebäude mit Mausohrwochenstuben saniert und dank fledermausschützerischer Begleitung ging kein einziges Wochenstubenquartier infolge von Sanierungsarbeiten verloren.

Dieses Quartierbetreuerkonzept gewährleistet einerseits den Schutz der noch verbliebenen rund 100 Wochenstubenkolonien in der Schweiz und bildet andererseits eine wichtige Basis zur Erarbeitung massgeschneiderter Schutz- und Fördermassnahmen für Mausohren.

Seit Beginn des Monitoringprogramms zu Beginn der 1995er Jahre mit rund 8'500 Tieren nahm der Bestand in den Mausohrwochenstuben erfreulicherweise kontinuierlich zu. So wurden in den 65 Wochenstubenkolonien der östlichen Landeshälfte 2012 erstmalig insgesamt über 12‘000 erwachsene Mausohren gezählt. Seiher beträgt der Bestand zwischen 11'000 und 12'000 Tieren.

Wachsende grosse und kleiner werdende kleine Wochenstuben
Die Kantone Zürich und Aargau weisen zurzeit die meisten bekannten Wochenstubenquartiere auf. Insgesamt gibt es sieben Kolonien, die mehr als 500 Tiere zählen (in den Kantonen AG, VD, JU, G und LU). Die grössten Kolonien mit je rund 1‘000 Tieren findet man in Veltheim AG, in Surrein GR und in Fläsch GR, wobei letztere beiden sogenannte Mischkolonien sind, d. h. mit den beiden Arten Grosses und Kleines Mausohr. Doch in mehr als der Hälfte aller Wochenstuben, nämlich in 35 Kolonien, zählte der Bestand 2016 weniger als 100 erwachsene Tiere und diese kleinen Kolonien werden tendenziell noch kleiner und drohen teilweise zu verweisen. Die Ursachen dafür sind noch grösstenteils unbekannt.

Fortpflanzungserfolg – eine wichtige Kontrollgrösse
Fortpflanzungsmisserfolge schlagen sich aufgrund der hohen Lebenserwartung und der geringen Erwachsenensterblickeit der Mausohren unter Umständen erst mehrere Jahre später in den Zähldaten nieder. Zudem unterliegen die Mausohrzählungen natürlichen Schwankungen, da z. B. bei schlechtem Wetter eventuell nicht alle Tiere da sind. Die Mausohrzählungen lassen daher nur mittelfristige Rückschlüsse auf Populations- und Kolonieentwicklungen und somit auf allfällige Massnahmen zu. Seit 2012 werden daher im Rahmen eines Pilotprojektes zusätzlich auch die Jungtiere gezählt und deren Sterblichkeit erfasst. Dadurch können bei Bedarf schneller die Probleme einer Kolonie erkannt und Massnahmen ergriffen werden. So wurde z. B. dank dieses Fortpflanzungsmonitorings in Baselland in einer Mausohrkolonie eine erhöhte Jungensterblichkeit festgestellt und bei der dadurch veranlassten Quartierkontrolle ein offenes Fenster entdeckt, welches diese verursacht haben dürfte. Seit das Fenster wieder geschlossen wurde, sank die Jungensterblichkeit wieder auf das ursprüngliche Niveau.

Jeder Kirche ihre Dachstockfledermaus
Die noch bekannten Wochenstubenquartiere der Mausohren müssen dringend weiterhin erhalten werden. Bei den kleineren Kolonien ist es wichtig, die Faktoren für allfällige negative Entwicklungen zu eruieren, um mit gezielten Fördermassnahmen diesen Wochenstubenkolonien zu helfen. Bei den grossen Kolonien muss mit geeigneten Massnahmen der positive Trend gesichert werden. Ehemals besiedelte Dachstöcke solle auf ihre heutige Nutzungsmöglichkeit durch Mausohren geprüft und bei Bedarf wieder zugänglich gemacht werden. Damit können wir dazu beitragen, dass sich die Mausohren weiterhin bzw. wieder vermehren und vielleicht, so wie früher, in zahlreichen Gemeinden als „Untermieterinnen“ im Dachstock der Dorfkirche einziehen.

Die Broschüre Mausohr-Wochenstuben fasst das Mausohrmonitoring 1995-2016 in der östlichen Landeshälfte zusammen - erhältlich im Shop für 10.-- Fr.