Neue Fledermausart in der Schweiz nachgewiesen


Ein internationales Team um den Genfer Zoologen Manuel Ruedi hat eine neue Fledermausart in bewaldeten Gebieten Europas entdeckt. Sie kommt auch in der Schweiz vor, in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und im Tessin. Sie ist allerdings sehr schwierig zu bestimmen und trägt den wissenschaftlichen Namen Myotis crypticus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Manuel Ruedi

Nach mehrjähriger Arbeit wurde die Art in der Zeitschrift Acta Chiropterloogica erstmalig beschrieben. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von vom Zentrum der iberischen Halbinsel über Südfrankreich, Italien (inkl. Sizilien), den Alpen bis nach Slowenien. In der Schweiz wurden bisher nur 2 Wochenstuben nachgewiesen, eine im Toggenburg (SG) und eine im Tessin. Weitere Nachweise stammen aus dem Thurgau und dem Waadtländer Jura.

Myotis crypticus ist eine mittelgrosse Fledermausart und eng verwandt mit der hierzulande vorkommenden und weit verbreiteten Fransenfledermaus. Aufgrund von Schädelmerkmalen können die beiden Arten nur mit aufwendigen Verfahren voneinander unterschieden werden, weshalb sie so lange unentdeckt blieb. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die beiden Arten mit genetischen Methoden voneinander zu unterscheiden.Es ist noch unklar, ob die beiden Arten nebeneinander vorkommen oder ob sie sich meiden. Die Lebensweise scheint jedenfalls sehr ähnlich.

Bedeutung für den Fledermausschutz
Da Myotis crypticus sehr selten in der Schweiz vorzukommen scheint, ist die potentielle Bedrohung grundsätzlich gross und die nachgewiesenen Wochenstuben müssen streng geschützt werden. Für eine abschliessende Beurteilung sind jedoch weitere Untersuchungen zum Vorkommen und zur Biologie notwendig.

Originalarbeit: https://bioone.org/journals/Acta-Chiropterologica/volume-20/issue-2/15081109ACC2018.20.2.001/Two-New-Cryptic-Bat-Species-within-the-Myotis-nattereri-Species/10.3161/15081109ACC2018.20.2.001.full