71 Fledermäuse gerettet


«Grüezi, mir händ es Problem, mir händ da ungefähr 50 Flädermüüs, wo Hilf bruched», ertönte es Anfang Februar 2019 aus dem Fledermausschutz-Nottelefon 079 330 60 60. Nach einer telefonischen Beratung brachte eine Schädlingsbekämpfungsfirma schliesslich 71 Fledermäuse in die Fledermaus-Notpflegestation der Stiftung Fledermausschutz im Zoo Zürich.
Die Stiftung Fledermausschutz, der Zürcher Tierschutz und der Zoo Zürich informieren im Rahmen einer gemeinsamen Medienmitteilung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Medienmitteilung:

Die Tiere der Art Grosser Abendsegler stammen aus einem Rollladenkasten eines Mehrfamilienhauses in Zürich, wohin die Schädlingsbekämpfer wegen eines angeblichen Vogelproblems gerufen worden waren. Überraschend fanden sie dort jedoch Fledermäuse, die sie nach dem Öffnen des Kastens nicht wieder zurückbefördern konnten.

Grosseinsatz erforderlich
Die 71 Abendsegler lösten einen Grosseinsatz bei der Stiftung Fledermausschutz aus. Acht Fachpersonen waren während mehr als 25 Arbeitsstunden an der Notversorgung beteiligt. Sie mussten jedes Tier wägen, auf Verletzungen untersuchen und den Allgemeinzustand erfassen. Weiter mussten sie alle Fledermäuse füttern, da die Tiere im Winterschlaf gestört worden waren. Das kostet sie viel Energie. Die Fledermausexperten brachten die Tiere schliesslich in speziellen Winterschlafboxen unter. Die Fledermäuse setzen darin ihren Winterschlaf in geeigneten Räumlichkeiten und unter Überwachung fort. Neun Tiere hielten die Fledermausretter aufgrund ihres geringen Körpergewichtes ein paar Tage lang wach und fütterten sie, ehe sie ihren Winterschlaf fortsetzen konnten. Sobald die Abende wärmer werden, entlässt die Stiftung Fledermausschutz die Abendsegler wieder in die Freiheit.

Erste Hilfe dank Nottelefon und Notpflegestation
Jährlich erhält das Fledermausschutz-Nottelefon rund 1'800 Anrufe von Personen, die hilfsbedürftige Fledermäuse gefunden haben. Können die Tiere nach einer Beratung nicht sofort wieder frei gelassen werden, gelangen sie an eine der rund 50 Pflegestationen in der Schweiz. Am Zoo Zürich sind es jedes Jahr zwischen 200 und 250 Tiere, für welche Notpflege geleistet wird und die schnellstmöglich wieder in die ihren natürlichen Lebensraum entlassen werden.

Engagement des Zoo Zürich und des Zürcher Tierschutzes
Die Stiftung Fledermausschutz betreibt mit Unterstützung des Zürcher Tierschutzes und des Zoo Zürich das Fledermausschutz-Nottelefon 079 330 60 60, eine Fledermaus-Notpflegestation sowie die interaktive Ausstellung «Fledermaus-Welt». Ausgebildetes Fachpersonal pflegt verirrt, erschöpft oder verletzt aufgefundene Fledermäuse und zieht noch unselbständige Jungtiere auf. Auch im Winterschlaf gestörte Fledermäuse nimmt die Notpflegestation auf und unterstützt sie bei der weiteren Überwinterung. Interessierte können die Fütterung dieser Pfleglinge zu bestimmten Zeiten mitverfolgen. Die Termine sind tagesaktuell im Veranstaltungskalender des Zoo Zürich unter zoo.ch/veranstaltungen ersichtlich.

Kurzportrait: Grosser Abendsegler
Grosse Abendsegler (Nyctalus noctula) gehören zu den grössten der 30 einheimischen Fledermausarten. Die Spannweite der Flügel kann bis über 40 cm betragen. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt bei einem Körpergewicht von 20–35 g jedoch nur 6–8 cm. Bereits bei Sonnenuntergang verlassen Abendsegler ihr Tagesschlafversteck und können oft in Gruppen über Gewässern und Wäldern auf der Jagd nach Insekten beobachtet werden.
Sie gehören zu den ziehenden Fledermausarten und bringen ihre Jungtiere meist in Nordosteuropa zur Welt. Im Spätsommer kehren sie in die Schweiz und andere südlichere Länder zurück, um sich zu paaren.
Wie alle einheimischen Fledermausarten halten auch Grosse Abendsegler einen Winterschlaf. Tagsüber verstecken sie sich meist in Baumhöhlen. Da diese selten geworden sind, werden aber auch Spalten an Häusern wie Rollladenkästen als Tagesschlafversteck genutzt. Schäden am Haus sind jedoch äusserst selten.
Wie alle Fledermausarten sind auch die Abendsegler in der Schweiz und Europa geschützt. Mehr als die Hälfte der einheimischen Fledermausarten steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Ihre Verstecke dürfen nicht zerstört werden.

Für weitere Informationen stehen Ihnen gerne zur Verfügung:
Dr. Katja Leicht, Leitung Tierpflege Stiftung Fledermausschutz
044 254 26 80, fledermaus@zoo.ch

Nadja Brodmann, Geschäftsleitung Zürcher Tierschutz
044 261 43 36, nbrodmann@zuerchertierschutz.ch

Dr. Alex Rübel, Direktor Zoo Zürich
044 254 25 00, medien@zoo.ch

Medienmitteilung als pdf (100 kB)
Text-, Bild-, Videomaterial und weiterführende Links unter www.zoo.ch/medien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei öffentlichen Fütterungen können Zoo-Besucher zuschauen.