Hilfe - Ich habe im Sommer eine lebende Fledermaus gefunden!


Was ist passiert?
Im Sommer zieht jedes Fledermausweibchen ein Junges, selten auch Zwillinge, auf. Findet ein Junges seine Mutter nicht mehr oder ist diese gar gestorben, so verhungert es, da es bei Fledermäusen keine Ammen gibt. Herumirrende Jungtiere oder verwaiste Fledermaussäuglinge klettern oft aus ihren Tagesschlafverstecken und hängen an Hauswänden herum oder bleiben erschöpft auf dem Boden liegen. Manchmal müssen Fledermausmütter ihre Jungen auch im Stich lassen. Dies ist dann der Fall, wenn es im Juni und Juli längere Zeit regnerisch und kühl ist. Die Mutter findet dann keine Fluginsekten und kann das Junge nicht säugen. Deshalb verlässt sie es und zwingt ihr Junges damit, seine Körpertemperatur zu senken und auf diese Weise Energie zu sparen. Kommt die Mutter bei einsetzender besserer Witterung wieder zurück, so ist zu hoffen, dass das Junge die manchmal mehrtägige Hungerperiode überstanden hat.

Was kann ich tun?
Kennt man das Fledermausversteck, so kann man den Säugling vorsichtig in den Quartiereingang hineinschieben, wo ihn seine Mutter bei ihrer Rückkehr wieder finden sollte. Achtung: Fledermäuse können zubeissen. Sie sind Wildtiere und können deshalb auch Krankheiten übertragen. Fledermäuse sollte man darum nie mit blossen Händen anfassen – am besten Handschuhe tragen! So gehen Sie kein Risiko ein.
Wenn der Quartiereingang an einem unzugänglichen Ort ist, oder wenn man nicht weiss, wo sich das Quartier befindet, so schafft man eine Landeplattform für die Mutter! Eine detaillierte Beschreibung dazu findet man auf der Seite «Jungtiere aussetzen».
Man stellt vor Sonnenuntergang ein grosses Abwaschbecken auf das Balkongeländer oder auf ein Fenstersims. Mitten ins Becken stellt man wie einen kleinen Turm ein raues Stück Holz. Wer kein Holzstück zur Hand hat, stülpt einen Socken über ein hohes Wasserglas, das man dann mit der Öffnung nach unten in die Schüssel stellt.
Vor Einbruch der Dämmerung legt man den Winzling vorsichtig auf das Holz oder den Socken. Achtung: Fledermäuse können zubeissen. Sie sind Wildtiere und können deshalb auch Krankheiten übertragen. Fledermäuse sollte man darum nie mit blossen Händen anfassen – am besten Handschuhe tragen! So gehen Sie kein Risiko ein. Fällt der Findling von seinem Turm herunter, so bleibt ihm in der glattwandigen Schüssel nichts anderes übrig, als wieder auf das griffige Holz oder den Socken zu klettern.
Im Normalfall beginnt das Junge aber sofort nach seiner Mutter zu rufen. Sobald diese in der Dämmerung zur Insektenjagd ausfliegt, hört sie ihren Sprössling, umkreist die Schüssel im Flug und landet auf dem Holz oder Socken. Das Junge klammert sich im Bauchfell fest und ab geht es mit dem kleinen Ausreisser, zurück ins sichere Wochenstubenquartier.
Läuft die ganze Aussetzaktion nicht wie geplant ab oder sind noch Fragen zur Aussetzung eines Findlings offen, so gibt das Fledermausschutz-Nottelefon weitere Auskünfte.

 

Wer soll Fledermäuse notfallmässig pflegen?
Die Pflege von Fledermäusen ist eine befristete Notmassnahme, denn Fledermäuse sind keine Haustiere. Fledermäuse sind bundesrechtlich geschützt (Art. 20 Abs. 2 VV vom 16. Januar 1991 zum NHG). Für die Haltung von Fledermäusen können die zuständigen kantonalen Behörden eine Ausnahmebewilligung erteilen (Art. 22 Abs. 1 NHG vom 1. Juli 1966). Zudem ist eine Bewillgung des kantonalen Veterinäramtes notwendig (Art. 89 Tierschutzverordnung vom 23. April 2008; TSchV). Wegen der artspezifischen Bedürfnisse der einheimischen Fledermausarten darf die Pflege nur von ausgebildeten Fachpersonen durchgeführt werden.

Aber: Erste Hilfe für in Not geratene Fledermäuse wird meist von Laien geleistet.
Darum: Richtiges und schnelles Handeln ist wichtig.
Achtung: Fledermäuse können zubeissen. Sie sind Wildtiere und können deshalb auch Krankheiten übertragen. Fledermäuse sollte man darum nie mit blossen Händen anfassen – am besten Handschuhe tragen! So gehen Sie kein Risiko ein.
Ausgebildete Fachpersonen pflegen die Fledermäuse artgerecht. Geschwächte Tiere werden aufgefüttert und allenfalls künstlich überwintert. Verwaiste Säuglinge werden mit Spezialmilch aufgezogen. Alle Pfleglinge werden schnellstmöglich wieder in die Freiheit entlassen.
Grundsätzlich: Fledermausschutz-Nottelefon 079 330 60 60
Dieser Einsatz für unsere Fledermäuse kann dank der Mitarbeit vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, sowie der finanziellen Unterstützung durch unsere Gönnerinnen und Gönner und durch den Zürcher Tierschutz sichergestellt werden. Auch Ihre Spende kann Leben retten.

 

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